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für zartfühlende Menschen, Eltern und deren Kinder, Pädagogen und alle Interessierten, die sich informieren möchten.

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Hochsensibilität und ihre Auswirkungen

Das Nervensystem von Zartfühlenden ist sehr fein und nimmt darum schneller und intensiver Reize wahr und zwar nicht nur im Außen, sondern auch im eigenen Inneren. Damit meine ich die Wahrnehmung der eigenen Befindlichkeiten und Bedürfnisse. Aber auch die Verarbeitung der Außenreize, die oft länger und intensiver ist als bei nicht hochsensiblen Menschen.


Weitere neurobiologische Aspekte finden Sie in dem Artikel "Hochsensibilität aus neurobiologischer Sicht".


Was sind nun die Auswirkungen?

Vorab möchte ich klarstellen, dass nicht alle Zartfühlenden gleich sind. Was den einen "überreizt", macht dem anderen vielleicht nicht viel aus.

Bitte betrachten Sie die Sammlung als das, was sie ist: eine Aufzählung möglicher Auswirkungen der Hochsensiblität.


  • Laute Musik wird als störend und überreizend empfunden, besonders die Bässe
  • Menschenansammlungen überfordern schnell: zu viel, zu laut, zu viele Außenreize auf einmal, zu viele Stimmungen und Gefühle = totales Durcheinander und zu viele Reize, die so schnell nicht verarbeitet werden können
  • Zartfühlende bemerken, sobald sie einen Raum betreten, ob frische oder verbrauchte Luft vorherrscht und welche Stimmung und Atmosphäre vorliegt
  • Alles, was auf uns einströmt: Licht, Geräusche, Stimmungen, eigene Gefühle und Gedanken, Farben, Gerüche usw. bringen uns in Erregung, reizen die Nerven und überfordern in dem ein oder anderen Maße

 

Nicht hochsensible Menschen bemerken vieles nicht oder nicht so intensiv, dass es sie stören würde. Sie sind z.B. in der Lage, störende Faktoren auszublenden. Dies fällt Zartfühlenden oft schwer.


  • Erlebtes klingt oft noch lange in uns nach. Es baut sich nicht einfach ab, wenn die Situation vorüber ist. Zum Teil setzen wir uns noch tagelang damit auseinander, durchdenken, analysieren und versuchen neue Wege zu erdenken, wie man beim nächsten Mal besser reagieren könnte. Es lässt uns einfach nicht so schnell los.


Da hilft es, wenn man lernt, sich zu entspannen. Aber das will erst mal gelernt sein und es muss etwas sein, was zu Ihnen passt. Was Ihnen wirklich gut tut.

Nicht weil andere Ihnen gewisse Techniken nahelegen, sondern es sollte etwas sein, was Ihnen tatsächlich Erleichterung verschafft. Hören Sie auf sich und ihren Körper. Sie sind der Spezialist für sich und wissen auch am besten, was Sie brauchen. Manchmal haben wir verlernt, unsere innere Stimme zu hören. Wir dürfen wieder leise werden und uns zuhören, was wir uns zu sagen haben.


  • Irritierend ist es für Zartfühlende, wenn Menschen sich verstellen oder eine Maske tragen, denn wir können dahinter fühlen bzw. sehen. Die Diskrepanz zwischen dem, was man sieht (Gestik und Mimik), und dem was man spürt, verunsichert. "Glaube ich meinen Augen oder meinem Gefühl? Wer ist dieser Mensch wirklich? Macht er mir nur etwas vor?" Viele Gedanken und Fragen sind plötzlich im Kopf. Die Einschätzung des Gegenübers fällt dann schwer und die Frage, wie man dieser Person begegnen soll und will, ist nicht ganz einfach zu beantworten.
  • Beobachtet zu werden löst bei manchen Zartfühlenden Stress aus. Hochsensible haben sehr feine "Antennen", sie spüren sehr genau, wenn ein Blick auf ihnen ruht. Immer ist gleich die Frage im Kopf:"Was will die Person? Warum beobachtet sie mich? Warum schaut sie mich so an?"
  • Erwartungen, die andere, z.B. die Mutter und der Vater, haben, spüren wir intuitiv und versuchen sie zu erfüllen. Oft verbiegen wir uns dafür und unterdrücken unsere eigenen Bedürfnisse, denn gerade als Kind will man von seinen Eltern geliebt werden.
  • Koffein, Alkohol, Medikamente usw. haben auf Zartfühlende oft eine stärkere Wirkung als auf andere.
  • Gewalt ist vielen von uns zuwider. Gewaltszenen können körperliche Reaktionen auslösen.


All die beschriebenen Merkmale, und das sind noch längst nicht alle, treffen nie zu 100% auf alle zu. Manche Zartfühlende sind geräuschempfindlich, andere können gewisse Materialien nicht anfassen und wieder andere reagieren empfindlich auf Gerüche. Hochsensibilität kann sich auf sehr unterschiedliche Weise zeigen.


Hochsensible halten eine Menge aus!


Wir gehen zur Schule oder zur Arbeit. Nehmen so vieles wahr und halten auch einem gewissen Druck stand. Wir erbringen Leistungen und fügen uns, so gut es geht, ins System ein.

Doch das alles kostet uns mehr Energie und Kraft als andere. Nach einem Schulmorgen brauchen Kinder und Jugendliche Ruhe. Damit meine ich, dass sie Dinge tun, die ihnen guttun, z.B. Musik hören, sich hinlegen und träumen, Bewegung, zocken usw. Eben alles, was runterholt und das ist bei jedem Menschen etwas anderes.

Der Morgen in der Schule will verarbeitet werden, und da hat eben jeder seine eigenen Methoden. Das System muss aus der Erregung herausfinden. Im Berufsleben ist es genauso. Wir stehen unsere Frau und unseren Mann, aber wir können nicht gleich weiterrennen und z.B. in den Biergarten gehen, wo wieder viele Menschen, Geräusche und Reize sind.


Pausen sind das A und O.


Auf sich selber, die Signale des Körpers hören, sich zurückziehen und sich Zeit und Ruhe gönnen, alles zu verarbeiten und zu entspannen, ist überlebensnotwendig.


Wir trainieren täglich. Stellen uns den Situationen des Alltags, und das ist gut so. Doch wir dürfen es nicht übertreiben. Aushalten ist bis zu einem gewissen Grad o.k., doch wenn wir zu lange aushalten und die Erregung und der Stress zu heftig werden und wir uns keine Ruhe gönnen, schaden wir uns, psychisch, physisch und geistig. Auf die Dosis kommt es an. Nur Sie alleine wissen, wie viel Sie sich zumuten können und wollen.


Alles, was sie empfinden und wahrnehmen, macht Sie aus, auch wenn es Sie "anders" macht. Aber ist "anders" immer schlecht?


Es ist schwierig. Ja!

Weil unsere Mitmenschen zu wenig über die Hochsensibilität wissen.

Durch sie sind viele von uns kreativ. Sehen Zusammenhänge, die andere nicht sehen, verstehen andere und können sie sogar spüren.


Wir Zartfühlenden dürfen lernen, mit unserer "Besonderheit" umzugehen.

Ein erster Schritt ist es, die eigene Sensibilität zu akzeptieren. "So bin ich!"


Wir dürfen lernen, andere Menschen über Hochsensibilität aufzuklären, indem wir von uns selber erzählen. Ihnen berichten von unserer Wahrnehmung und wie sich die Welt für uns anfühlt.

Wir dürfen lernen, uns zurückzuziehen, wenn es zuviel wird, und sei es nur kurz, um uns zu sammeln und zu beruhigen.

Wir müssen uns Pausen und Ruhe gönnen, um zu verarbeiten, uns zu regenerieren und wieder in Frieden und Harmonie mit uns selbst zu kommen. Harmonie ist für viele von uns unglaublich wichtig. Wenn alles im Einklang ist und sich alles richtig anfühlt, dann können wir auftanken und durchatmen.


Haben Sie Fragen oder möchten mir einfach Ihre Erfahrungen mitteilen, so können Sie mir sehr gerne schreiben.


n.clemens@zartfuehlend.de


Ihre N. Clemens

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Hochsensibilität aus neurobiologischer Sicht


Hochsensibilität ist ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal.

Erst seit Kurzem hat die Wissenschaft überhaupt ihr Interesse für die Hochsensibilität entdeckt. So gibt es mittlerweile tatsächlich wissenschaftliche Erkenntnisse in der Neurobiologie.


Studien zeigen, dass zartfühlende Menschen in bestimmten Gehirnregionen eine erhöhte Aktivität haben. Das erklärt die intensive Reizverarbeitung, die gesteigerte Empathie und die erhöhte sensorische Wahrnehmung. Es handelt sich daher um ein neurologisches Phänomen, das sich durch eine besonders feine und intensive Verarbeitung von sensorischen, emotionalen und kognitiven Reizen auszeichnet.


Synapsen und Neurotransmitter in hochsensiblen Gehirnen

Synapsen sind die Verbindungen zwischen den Nervenzellen (Neuronen), die Informationen weiterleiten. Je nachdem wie stark diese Verbindungen genutzt werden, verstärken sie sich oder werden abgeschwächt.

Studien lassen vermuten, dass zartfühlende Menschen eine erhöhte synaptische Aktivität in den Hirnregionen aufweisen, die mit Empathie, sensorischer Verarbeitung und Entscheidungsfindung zu tun haben.


Neurotransmitter

Sie sind die Botenstoffe der Nervenzellen, mit denen die elektrischen Signale eines Neurons an einer Synapse in chemische Signale umgebildet werden, die bei der nachgeordneten Zelle wieder elektrische Signale hervorrufen können. Die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin spielen eine zentrale Rolle bei der Informationsverarbeitung. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass hochsensible Menschen oft eine andere Dopamin-Sensitivität (Dopamin-Empfindlichkeit) aufweisen, als andere Menschen. Diese könnte die intensive Reizverarbeitung erklären.


Glutamat und GABA (Gamma-Aminobuttersäure)

Glutamate sind Bestandteile der sogenannten Glutaminsäure. In unserem Körper werden sie auf natürliche Weise hergestellt und funktionieren als Botenstoffe im Gehirn. Dort wirken sie z.B. auf die Entwicklung des Nervensystems, die Gehirnleistung und den Muskelaufbau.


GABA ist ein bedeutender Neurotransmitter im zentralen Nervensystem. Er spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation neuronaler Erregbarkeit und sorgt dafür, dass das Gleichgewicht zwischen Erregung und Hemmung im Gehirn aufrechterhalten bleibt.


Eine hohe Glutamat-Aktivität kann zu einer stärkeren neuronalen Erregbarkeit führen, die unter Umständen vom GABA-Neurotransmitter nicht mehr ausgeglichen werden kann und so kommt es dann zu einer schnelleren Reizaufnahme und -verarbeitung.


Dies ist nur eine der möglichen Theorien. Noch forscht die Wissenschaft und sammelt "Puzzleteilchen", die später hoffentlich mal zu einem ganzheitlichen Bild zusammengesetzt werden können.


Erhöhte neuronale Aktivität

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass zartfühlende Menschen in bestimmten Hirnarealen, die eng mit Empathie, sozialer Wahrnehmung und emotionaler Verarbeitung verbunden sind, verstärkte neuronale Aktivitäten haben. Das EEG (Elektroenzephalogramm) macht die elektrischen Ströme sichtbar, worüber die Nervenzellen im Gehirn miteinander im Kontakt stehen, und misst so die Gehirnaktivität. Die Aufzeichnungen von Zartfühlenden zeigen eine erhöhte Aktivität, was ein weiterer Hinweis dafür sein kann, dass Reize intensiver wahrgenommen werden und tiefer verarbeitet werden.


In MRT (Magnetresonanztomogramm) werden die Hirnareale sichtbar, in denen verstärkt Aktivitäten stattfinden. Unter anderem sind folgende Gehirnareale aktiver bei Zartfühlenden als bei nicht-hochsensiblen-Menschen:


Die Insula und der anteriore cinguläre Cortex (ACC)

Diese beiden Areale sind für die Empathie, die Selbstwahrnehmung und die emotionale Reaktion verantwortlich. Hochsensible Menschen haben hier eine verstärkte Konnektivität, d.h. es sind viel mehr parallele Verbindungen der Neuronen vorhanden und dadurch entsteht eine schnellere Aufnahme und Verarbeitung von Innen- und Außenreizen. Die Signale werden schneller als bei Nicht-Zartfühlenden im Gehirn, unserer "Zentrale", verarbeitet, interpretiert und als Signal weitergeleitet an die entsprechenden Stellen, wo dann eine Reaktion erfolgt. Man kann sich die neuronalen Verbindungen wie Straßen vorstellen, die alle zum Gehirn führen. Diese Verbindungen (effektive Konnektivität) sind sehr flexibel und modellieren je nach Situation immer wieder neue "Straßen". So entstehen ständig neue Verbindungen, aber auch die schon bestehenden werden verstärkt, wenn sie wieder benutzt werden. Diese Verstärkung führt dazu, dass schneller immer wieder neue Verbindungen geschaffen werden und so die Informationen schneller wahrgenommen werden können. Durch dieses großartige Netzwerk, das sich immer weiterentwickelt, kann dann auch mehr und differenzierter wahrgenommen werden.


Amygdala

Die Amygdala spielt eine wichtige Rolle bei emotionalen Bewertungen, der Wiedererkennung von Situationen und der Analyse von Gefahren. Sie verarbeitet externe Impulse und leitet vegetative Reaktionen dazu ein. Bei einer höheren Aktivität werden die Außenimpulse schneller und intensiver wahrgenommen und auch die Reaktionen können heftiger ausfallen. So erklärt sich, warum Zartfühlende schneller eine Stressreaktion zeigen, die auch ausgeprägter sein kann.


Default Mode Network (DMN)

Dieses neuronale Netzwerk (Ruhezustandsnetzwerk) ist dann aktiv, wenn der Mensch zwar wach ist, aber nicht gezielt mit Aufgaben beschäftigt ist. Es geht hier um die nach innen gerichtete Aufmerksamkeit, z.B. die Selbstreflexion oder das "innere" Denken, was wir Zartfühlenden so gut kennen. Das DMN erzeugt zusammenhängende "innere Erzählungen", die das  Selbstgefühl steuern. Das, was wir uns in diesen "inneren Geschichten" erzählen, beeinflusst, wie wir uns fühlen. Ist hier die Aktivität erhöht, so kann dies zu tiefen inneren Gedanken führen, die in die Selbstreflexion mit einfließen und zu einer kreativen Verarbeitung dieser Gedanken beitragen. Dies könnte eine Erklärung für die tiefen Gedankengänge und das stärkere inneren Erleben sein.

 

Wie wirkt sich Hochsensibilität im Alltag aus?

Visuelle Wahrnehmung

Zartfühlende nehmen oft feinere Unterschiede in Farben, Licht und Bewegung wahr. Die erhöhte Aktivität im primär visuellen Bereich führt zu einer intensiveren Verarbeitung von Details. Licht ist z.B. für mache Zartfühlende zu grell, es schmerzt sogar in den Augen und blendet. Für Nicht-Hochsensible ist es oft zu dunkel im Raum, sie brauchen mehr und helleres Licht.

Auditive Wahrnehmung

Geräusche werden von Zartfühlenden oft differenzierter wahrgenommen. Studien zeigen, dass Hochsensible in lauter Umgebung schneller reizüberflutet sind als ihre Mitmenschen, da ihr auditorisches System mehr Frequenzen und Nuancen aufnimmt. Ganz klar! Wem es zu laut ist, ist schneller überfordert und gestresst. Doch was hochsensible Menschen als laut und unangenehm empfinden, ist für andere ein ganz normaler Geräuschpegel. Manchmal nehmen wir Zartfühlenden sogar Geräusche wahr, die andere nicht hören.

Somatosensorische Wahrnehmung oder somatosensorischer Cortex

Es handelt sich hier um den Anteil der Großhirnrinde, der der zentralen Verarbeitung der Wahrnehmung durch den Tastsinn dient. Die Informationen stammen entweder aus den Rezeptoren der Haut, die vielfältige Umweltreize aufnehmen kann, oder aus den Rezeptoren im Inneren des Körpers, die die Eigenwahrnehmung ermöglichen. Im somatosensorischen Cortex verarbeitete Sinneswahrnehmungen sind Berührungen, Druck, Vibrationen, Temperatur usw. Die verstärkte Aktivität in diesem Gehirnareal kann dazu führen, dass Zartfühlende auf feine Berührungen, Temperaturveränderung oder Texturen von z.B. Stoffen empfindlich reagieren.


Zartfühlende sind genauso individuell wie alle Menschen und daher kann man nicht einfach sagen, dass sie sensibel, empfindlich und ständig übererregt sind. Nicht alle Hochsensiblen sind in allen Bereichen zartfühlend und auch nicht in der gleichen Intensität.


Heute weiß man, dass ca.15% - 20% der Menschen hochsensibel sind.


Quellen:

  • Netzwerk Hochsensibilität - hochsensibilitaet-netzwerk.com
  • Wikipedia
  • AOK - deine-gesundheitswelt.de
  • medi-karriere.de
  • mpg.de




Haben Sie Fragen oder möchten mir Ihre Erfahrungen mitteilen, können Sie mir sehr gerne schreiben.


n.clemens@zartfuehlend.de


Ihre N. Clemens




Vererbung oder Umwelt?


Die Art der zartfühlenden Wahrnehmung entwickelt sich nicht erst im Alter, sie ist von Anfang an vorhanden und angeboren.

Insgesamt scheinen zehn Gen-Orte auf sieben Genen verantwortlich für das Dopamin-System zu sein, die die Hochsensibilität begünstigen.

Dopamin spielt im Nervensystem eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Sinnesreizen. Es steuert die Erregungsweiterleitung durch die Aktivierung nachgeschalteter Neuronen. Verstärkte Aktivierung bedeutet, die Neuronen werden schneller und stärker aktiviert und Reize werden somit schneller und intensiver wahrgenommen.


Schon im Mutterleib bekommen Babys viel mit. Ist die werdende Mutter gestresst, werden Stresshormone ausgeschüttet, die auch das zartfühlende Baby zum Teil aufnimmt. Es spürt die Mutter, deren Umgebung und Mitmenschen immer intensiver, je mehr Sinnesorgane ausgebildet werden. Zartfühlende Föten nehmen wahrscheinlich mehr und intensiver wahr und reagieren auch schon stärker auf ihre Mutter und ihr Umfeld als andere Babys. Das kann sich darin zeigen, dass der Fötus unruhig ist und sich viel bewegt, oder aber besonders ruhig ist und in den Rückzug geht. Schon hier können sich Unterschiede zeigen, wie der Fötus mit Überreizungen umgeht. Natürlich gibt es auch andere Ursachen außer Hochsensibilität, warum sich Ihr Kind im Bauch verhält, wie es das tut.

Ein Hinweis, ob es möglich ist, dass ihr Kind zartfühlend ist, ist es herauszufinden, ob einer der beiden Elternteile oder sogar beide hochsensibel sind. Oft wissen es die Erwachsenen nicht. Da ist zeitlebens das Gefühl, "anders zu sein", nicht so recht in diese Welt und Gesellschaft zu passen. Dieses Gefühl, dass alles zu viel ist. Hier lohnt es sich, auf die Reise zu gehen. Informieren Sie sich über Hochsensibilität und finden Sie heraus, welche Merkmale auf Sie zutreffen. Lernen Sie zu verstehen, was es bedeutet, zartfühlend zu sein. Lernen Sie, Ihr Persönlichkeitsmerkmal anzunehmen und sich selbst wieder zu vertrauen. Die eigenen Gefühle und Bedürfnisse wieder wahrzunehmen, ernst zu nehmen und sie zu leben, so weit dies möglich ist. Finden Sie Ihren eigenen Weg, mit der Hochsensibilität umzugehen, und teilen Sie dies auch anderen Menschen mit, damit sie verstehen können, warum Sie sich verhalten, wie Sie es tun und es Ihnen guttut. Nur wenn Sie selber mit Ihrer Hochsensibilität gelernt haben umzugehen und sie anzunehmen, können Sie Ihrem Kind unterstützend zur Seite stehen und ihm das Gefühl schenken, dass es gut ist, ein zartfühlendes Wesen zu sein.

Eine zartfühlende Mutter nimmt die Schwangerschaft und auch ihr Baby anders und intensiver wahr als eine nicht hochsensible Mutter. Sie macht sich unter Umständen mehr Gedanken. Nun kommt es darauf an, ob sie gelernt hat, mit ihrer Hochsensibilität umzugehen, oder ob sie ganz davon vereinnahmt wird.

Überfordert sie die Schwangerschaft und die anstehende Geburt, oder weiß sie mit all den Gefühlen, Wahrnehmungen, Gedanken, körperlichen Veränderungen und Empfindungen umzugehen?


Dann wird ein kleines Wesen geboren. Und tatsächlich gibt es hier schon die ersten Merkmale, die darauf hinweisen können, dass Hochsensibilität angeboren ist. Ein nicht zartfühlendes Baby ist von der Geburt schon gestresst und die vielen neuen Eindrücke können überwältigend sein. Wie ist das erst für ein hochsensibles Baby, das alles intensiver wahrnimmt und schneller überfordert und gestresst ist? Manche Kinder schreien viel und sind sehr unruhig. Andere, wie z.B. meine Tochter, sind so erschöpft von der Überreizung, dass sie viel schlafen. Immer aber ist es sichtbar, wenn Kinder sich nur sehr schwer beruhigen lassen. Da schon die Kleinsten sehr empathisch sind, spüren sie sehr genau, wenn die Mutter überfordert und gestresst ist, und das stresst wiederum das Kind. Ist die Mutter jedoch ruhig und entspannt, so überträgt sich auch das auf das Kind und es kann schneller zur Ruhe finden.


Zartfühlende Säuglinge sind eigentlich ruhig und beobachtend. Ihre Aufmerksamkeit ist jedoch gesteigert, was schnell zu einer Überforderung führen kann. Denn alles ist intensiver, reizt das kleine Nervensystem schneller und durch die gesteigerte Aufmerksamkeit nimmt es mehr wahr als andere Babys. Daher empfiehlt sich, die Umgebung des Babys möglichst reizarm zu gestalten. Ein Mobile ist zwar interessant und spannend, kann jedoch für manches zartfühlende Wesen zu viel sein. Zu bunt und zu unruhig. Sie reagieren nun mal intensiver auf Reize jeglicher Art und so werden sie schnell unruhig und fangen letztendlich an zu weinen. Eine Mutter, die ihrem Kind Sicherheit und Geborgenheit vermitteln kann, hilft ihrem Kind, sich zu beruhigen und wieder in die Balance zu kommen.


Ist die Mutter jedoch selbst überfordert und unsicher, wie es ihr Baby beruhigen kann, so spürt das kleine Wesen die Unsicherheit und weint noch mehr, denn es hat Angst. Daher ist es so wichtig, erst selber als Mutter wieder zur Ruhe zu kommen. Legen Sie Ihr Kind ins Bettchen oder, wenn der Vater oder eine andere Person da ist, geben Sie ihnen das Baby und versuchen Sie sich zu beruhigen. Was immer Ihnen jetzt guttut, tun Sie es. Tief durchatmen, etwas singen, tanzen, die Augen schließen und sich an einen schönen Ort träumen, ganz egal was es ist, was Ihnen hilft, wieder in die Balance zu kommen, nutzen Sie dieses Tool. Nur Babys, die durch ihre Eltern die Erfahrung machen durften, wie man sich selber beruhigen kann und das Gefühl zu erleben "Es ist alles gut! Du bist in Sicherheit!", sind auch später in der Lage, sich selber aus der Überforderung und dem Stress herauszuholen.


Die Umwelt trägt dazu bei, ob ein zartfühlendes Kind schon früh lernt "es ist o.k. zartfühlend zu sein und ich kann mich jederzeit selbst regulieren" oder ob ein Kind die Überforderung und später eventuell die Ablehnung und das Unverständnis der anderen erfährt und so keine Sicherheit erlebt. Diese Unsicherheit führt zur Wachsamkeit. Das Kind wird noch sensibler, weil es rechtzeitig versucht ,"Gefahren" zu erspüren und diesen rechtzeitig zu begegnen z.B. durch Überanpassung, Erfüllen von Erwartungen, Unterdrücken der eigenen Bedürfnisse und vieles mehr. Oder aber es geht in den Rückzug und lässt niemanden mehr an sich heran.


Als Baby, Kleinkind und Kind ist die Sicherheit und das Angenommenwerden das Wichtigste überhaupt. Muss ein Kind Angst haben, seine Mutter zu überfordern und darum nicht angenommen zu werden, muss es Wege finden. Dies führt oft zur Selbstverleugnung, weil es versucht, ein gutes Kind zu sein, das seine Mutter nicht überfordert, sondern versucht, sie zu unterstützen und der Mutter zu helfen, dass es ihr gut geht.


Woran können Sie ein zartfühlendes Kind erkennen?

Hochsensible Kinder sind unter anderem daran zu erkennen, dass sie sehr empathisch sind. Sie weinen, wenn andere Kinder sich weh getan haben. Sie fühlen den Schmerz, als sei es ihr eigener. Das funktioniert natürlich auch, wenn andere fröhlich und zufrieden sind. Die Gefühle anderer nehmen sie oft als ihre eigenen wahr.

Zartfühlende Kinder nehmen die Stimmungen ihrer Eltern und der Umgebung wahr und reagieren darauf. Sie spüren z.B., ob die Mutter traurig ist, auch wenn sie es noch so gut versteckt. Da das Kind noch zu jung ist, um diesen Gegensatz zu verstehen, ist es irritiert und verunsichert. Es spürt die Traurigkeit und sieht das Lächeln auf dem Gesicht der Mutter. Die ersten Zweifel tauchen auf. "Nehme ich falsch wahr? Was stimmt jetzt? Das, was ich sehe, oder das, was ich fühle? Muss man Traurigkeit verstecken und immer fröhlich sein?" Damit Ihrem Kind das nicht passiert, rate ich Ihnen, Ihre Gefühle offen zu zeigen. Wenn Sie traurig sind, können Sie das ruhig zeigen und dem Kind erklären: "Ich bin gerade traurig. Aber das geht vorbei und dann bin ich wieder fröhlich." So oder so ähnlich könnte eine Erklärung lauten.


Sensorisches Empfinden

Viele Kinder sind sensorisch äußerst empfindlich. Nähte, kratzende Etikette, raue Stoffe usw. können sie in den Wahnsinn treiben. Manchmal sind sogar Berührungen zu viel.

Weitere Merkmale können Geräuschempfindlichkeit, Geruchsempfindlichkeit, Geschmacksempfindlichkeit, Lichtempfindlichkeit und andere Reize sein, die das Nervensystem überfordern. Viele Kinder gehen dann in den Rückzug, suchen die Ruhe, weil einfach alles zu viel, zu laut, zu bunt, zu hell usw. ist.

Ein Beispiel: Ihr Kind wurde zum Kindergeburtstag von seinem besten Freund eingeladen. Es will aber nicht hingehen. Zu viele Kinder, zu laut, so viele Gefühle und Stimmungen. Es möchte lieber mit seinem Freund alleine sein und ihm sein Geschenk geben. Gehen Sie darauf ein. Sprechen Sie mit den Eltern des Freundes, erklären Sie, warum es anstrengend für Ihr Kind ist. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, eine kleine Feier zu gestalten, wo die beiden Freunde den Geburtstag feiern können.

Es ist klar, dass bei so vielen "Empfindlichkeiten" soziale Kontakte nicht immer leicht sind. Vor allem die Empathie macht das Zusammensein mit vielen anderen schwierig. Aus diesem Grund haben zartfühlende Kinder oft nur einen bzw. wenige Freunde, denn viele Kinder wie z.B. im Kindergarten oder Schule überfordern und überreizen das Nervensystem. Alle Stimmungen, Gefühle und die Atmosphäre im Raum prasseln oft ungefiltert auf das Kind ein. Zu viel für ein zartfühlendes Nervensystem.


Wie kann ein Kind lernen, mit seiner Hochsensibilität umzugehen?

Ein zartfühlendes Elternteil, das selbst gelernt hat, mit seinem Persönlichkeitsmerkmal umzugehen, und sich selbst zu regulieren weiß, ist das beste Vorbild für das Kind!

Kinder lernen in den ersten Jahren durch Nachahmung und ein zartfühlendes Kind nimmt auch das nicht Sichtbare stärker wahr als andere. Es lernt, wie alle Kinder, von seinen Eltern.


Das mächtigste Element ist ❤️ Liebe!

Bedingungslose Liebe !

Was meine ich damit?

Dass Sie Ihr Kind so annehmen, wie es ist. "Du bist gut so, wie du bist, und ich liebe dich dafür."

Das heißt aber nicht, dass es keine Grenzen, Regeln und Kompromisse gibt. Denn Struktur ist ebenso wichtig wie Liebe.

Wichtig ist, das Verhalten von der Person zu trennen. Die Sicherheit "Mama hat mich immer lieb" ist unglaublich wichtig und die Basis für Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Doch als Eltern müssen Sie über das Verhalten sprechen, wenn etwas nicht in Ordnung war. Erklären Sie, was und warum etwas nicht in Ordnung ist, damit das Kind den Unmut der Eltern nachvollziehen kann. Wenn es alt genug ist, gemeinsam zu überlegen, wie es besser gehen könnte und einen Weg zu finden, den das Kind annehmen und umsetzen kann. Je nach Alter kann das Kind selbst Vorschläge einbringen.


Bedingungslose Liebe ist nicht immer leicht!

Es kann vorkommen, dass man von anderen Müttern z.B. auf dem Spielplatz angesprochen wird: "Dein Kind ist aber komisch. Warum spielt es denn nicht mit den anderen und sitzt da allein im Sandkasten in der hintersten Ecke?"

Dann heißt es ruhig bleiben und erklären.

Eine mögliche Reaktion könnte sein:"Mein Kind spielt gerne alleine, zu viele Kinder auf einmal sind anstrengend für ihn / sie. Ich finde das in Ordnung. Hauptsache mein Kind fühlt sich wohl und ist zufrieden."

Ich weiß! Die Reaktionen, Fragen und das Unverständnis sind anstrengend. Doch wenn Sie zu ihrem Kind stehen und ruhig erklären, dass Sie Ihr Kind lieben und es in Ordnung finden, wie es ist, stärkt das das Selbstbewusstsein ihres Kindes. Es spürt, sieht und hört: "Ich darf so sein, wie ich bin. Für meine Mama ist das in Ordnung."

Es gibt nichts Schlimmeres für ein Kind als das Gefühl "Ich bin falsch! Ich darf so nicht sein, so nicht empfinden und mich so verhalten, wie ich es tue, obwohl ich mich eigentlich so wohlfühle. Doch meine Mama hat mich nicht lieb, wenn ich so bin!"


Stärken Sie Ihr Kind mit Ihrer bedingungslosen Liebe.


Freiraum

Er ist eng mit der bedingungslosen Liebe verknüpft. Denn nur, wer sein Kind annimmt, akzeptiert und respektiert, so wie es ist, mit all seinen Facetten, und ihm vertraut, kann den nötigen Freiraum geben, den es braucht, um sich zu entwickeln und die eigene Persönlichkeit zu entfalten.


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n.clemens@zartfuehlend.de

Ihre N. Clemens



Hochsensibilität aus neurobiologischer Sicht


Weitere Einsichten zum Thema


Neue Erkenntnisse belegen, dass Hochsensibilität genetisch bedingt ist, also von den Eltern an das Kind weitergegeben werden.


2011 lieferten chinesische Forscher erste Erkenntnisse zur genetischen Ursache der Hochsensibilität. Sie analysierten das Erbgut von 480 Studenten und wiesen 10 Gen-Orte auf sieben Genen des Dopamin-Systems nach, die mit der Hochsensibilität in Verbindung stehen. Dopamin spielt im Nervensystem eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Sinnesreizen. Es steuert die Erregungsweiterleitung durch die verstärkte Aktivierung nachgeschalteter Neuronen.

Verstärkte Aktivierung bedeutet, die Neuronen werden schneller und stärker aktiviert und Reize werden schneller und intensiver wahrgenommen. Zudem fanden dänische Wissenschaftler im selben Jahr heraus, dass ein höheres Sensibilitätslevel zumindest zum Teil auf das Serotonin-Transporter-Gen 5-HTTLPR zurückzuführen ist.


Schon bei Babys ist dies sichtbar. Zartfühlende Babys sind schnell überreizt, schreien viel und sind unruhig. Sie reagieren, wo andere Babys wenig oder keine Reaktion zeigen. Diese Art der Wahrnehmung entwickelt sich nicht erst im Alter, sie ist von Anfang an vorhanden und angeboren.


Babys und Kleinkinder lernen in der Hauptsache durch Nachahmung. Dies geschieht vor allem durch die Spiegelneuronen. Durch sie können wir Handlungen beobachten, die Absicht dieser Handlung verstehen und die Handlung nachahmen. Da zartfühlende Kinder besonders gute Beobachter sind und auch Gefühle und Stimmungen wahrnehmen, kriegen sie oft mehr mit, als wir Eltern uns vorstellen können. Manche können uns regelrecht lesen und übernehmen viele Verhaltensweisen. Dies geschieht zumeist unbewusst. Eltern fällt dann manchmal auf, dass wir uns durch unser Kind "gespiegelt" fühlen. Es verwendet z.B. die gleichen Sätze, zeigt ähnliche Gesten oder Mimik. Äußerungen wie: "Unser Kind geht genau wie du!" zeigen, wie sehr Kinder uns unbewusst nachmachen. Spiegelneuronen sind zudem eng mit der Fähigkeit der Empathie verbunden. Sie helfen uns zu verstehen, was andere fühlen. Da diese bei uns Zartfühlenden sehr aktiv sind, können wir uns gut in die Lage anderer versetzen, sie wahrnehmen und uns auf ihre Gefühle einstellen. Kinder tun das ebenfalls. Da Eltern ihren Kindern sehr nahe stehen, können zartfühlende Kinder sie auch besonders gut lesen und wahrnehmen. Sie lieben ihre Mama und ihren Papa und stellen sich aus diesem Grund auf deren Gefühle und Bedürfnisse ein. Das geschieht ganz unbewusst. Hier ist es wichtig, dass wir Erwachsene unser Kind aus der Verantwortung nehmen.

Wie können wir das tun?

Indem wir den Fokus auf unser Kind legen. Wenn das Baby schreit, sollten Eltern darauf eingehen, denn es hat einen Grund, warum das zartfühlende Baby weint. Es gibt viele Gründe. Hunger, eine nasse Windel, Einsamkeit, Angst, Überreizung. Wir Eltern sind hier gefragt. Ihr Kind wird sich beruhigen, wenn Sie sein Bedürfnis befriedigen. Damit zeigen Sie ihm auch, dass es zeigen darf, wenn etwas nicht stimmt und Sie ihm Sicherheit und Halt geben können, was wichtig ist, damit Ihr Kind lernt, sich selbst zu beruhigen. Durch Sie erfährt es, wie das geht, wieder in Einklang mit sich zu kommen. Ist Ihr Kind dann älter, können Sie es nach seinen Bedürfnissen und Gefühlen fragen. Ihm den Raum geben, sich zu zeigen, und wir dürfen unser Kind wahrnehmen und ernst nehmen. Denn nur so erfährt es, dass es wichtig ist und dass es sich zeigen darf. Es muss nicht für uns Erwachsene da sein, sondern wir als verantwortungsbewusste Eltern sind für unsere Kinder da. Geben Sie Sicherheit, Geborgenheit, Liebe und das Gefühl:

"Du bist gut so, wie du bist, mit all deinen Träumen, Wünschen, Bedürfnissen, Ängsten und Sorgen. Wir lieben dich."


Alles in allem werden zum Teil andere Areale im Gehirn aktiviert, als bei nicht-hochsensiblen Menschen. Das Gehirn und Nervensystem sind sehr viel sensibler und reagieren stärker und tiefer. Informationen werden tiefer aufgenommen und verarbeitet. Das alles kostet den Zartfühlenden Energie und darum brauchen wir öfter Pausen, wo wir verarbeiten können und wieder aufladen. Auch hier sind wir Eltern wieder gefordert. Sorgen wir dafür, dass unsere Kinder die Pausen bekommen, die sie brauchen. 

Ein Beispiel

Wenn Ihr Kind auf einem Kindergeburtstag den Wunsch äußert "Mama, ich möchte nach Hause", nehmen Sie das ernst. Ihr Kind spürt, dass es genug ist. Zu laut, zu bunt, zu quirlig usw. Auch wenn andere Kinder bis zum Ende der Feier durchhalten, für Ihr Kind ist an dieser Stelle die Grenze erreicht und es braucht Erholung und Rückzug, um all die Eindrücke verarbeiten zu können. Klar ist das nicht leicht. Aber es ist wichtig! Erklären Sie der Mutter des Geburtstagskindes, dass es sehr anstrengend für Ihr zartfühlendes Kind ist auf so einer Feier, wo so viele unterschiedliche Eindrücke auf es einströmen, und Sie nun nach Hause gehen, denn ihr Kind braucht jetzt etwas Ruhe. Auf diese Weise stärken Sie Ihr Kind. Es erfährt, dass es seine Bedürfnisse äußern darf und es sich zurückziehen darf, wenn es das braucht. So bekommt es ein Gespür für sich selbst und das ist ausschlaggebend, um mit der Hochsensibilität umgehen zu können.



Ein Artikel der Universität Bonn (hier geht's zum ganzen Artikel) beschreibt Forschungsergebnisse, nach denen Neuronen ihre Erregbarkeit selbstständig regulieren können. Für diese Selbstregulation spielt ein Enzym namens SLK eine wichtige Rolle. Das entstehende Gleichgewicht zwischen Erregung und Hemmung der Nervenzellen ist sehr wichtig für die Funktion des Gehirns. Die Forscher haben außerdem herausgefunden, dass bei manchen Patienten mit Epilepsie, deren charakteristische Krampfanfälle durch eine Übererregung großer Nervenzell-Areale entsteht, weniger von diesem Enzym SLK vorhanden ist.


Ohne damit einen Zusammenhang zwischen Epilepsie und Hochsensibilität herstellen zu wollen, könnte diese Studie für mich auch einen möglichen Erklärungsansatz dafür liefern, warum Zartfühlende so schnell überreizt sind. Möglicherweise ist das Enzym SLK zu wenig vorhanden. Die Regulation von Erregung scheint somit erschwert. Es wird deutlich, das es noch viel zu entdecken gibt und das Enzym SLK ein möglicher Schlüssel sein könnte.


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Ihre N. Clemens



Kindergarten und Schule


Wie geht es einem zartfühlenden Kind im Kindergarten?


Die meisten Kindergärten haben bunte Räume. Es hängen Kinderbilder an den Wänden und von der Decke baumelt Selbstgebasteltes. 20 - 25 Kinder wuseln durch den Raum.


Wenn nun ein hochsensibles Kind den Kindergarten betritt, spürt es wahrscheinlich schon im Flur die Unruhe. Hört die lauten Geräusche und Stimmen, nimmt die Gefühle und Stimmungen der anderen wahr und spürt die Erwartungen der Mutter und der Pädagogin. Wenn die Mutter selber unsicher ist und sich sorgt, ob ihr Kind klarkommt, spürt das das Kind auch und das verunsichert es selber. Es stürzt also eine Menge auf das Kind ein. Zu viel!


Schon für nicht zartfühlende Kinder ist der erste Tag in einem Kindergarten überfordernd. Um ein Vielfaches überfordernder und überreizender ist es für ein zartfühlendes Kind.


Die Mutter ist die einzige Konstante in diesem bunten und lauten Szenario. Im Kindergarten gibt es nur wenige Möglichkeiten des Rückzugs. Er ist einfach nicht für Zartfühlende, sondern für normal sensible Kinder gemacht. Meist wissen nur wenige Pädagogen etwas über das Phänomen der Hochsensibilität. Sie können nur schwer nachvollziehen, was das Kind braucht. Ihnen fehlt schlichtweg das Wissen über dieses Persönlichkeitsmerkmal und so ist es nicht immer leicht für sie, mit einem so hochsensiblen Kind umzugehen.


Hier tut Aufklärung Not.

Beim Erstgespräch im Kindergarten sollten Sie bereits offen und ehrlich kommunizieren, dass Ihr Kind hochsensibel ist. Vielleicht können Sie mit der Erzieherin gemeinsam überlegen, wie man den Einstieg gestalten kann und welche Möglichkeiten es gibt, dem Kind den Kindergartenbesuch zu erleichtern.


Ich hatte das Glück, auf sehr verständnisvolle Erzieherinnen zu treffen. Das Freispiel, wo alle Kinder frei wählen können, was sie tun wollen, und wo es recht unruhig zugeht, war für mein Kind zu viel. Also bot die Erzieherin an, es erst zum Stuhlkreis zu bringen. Da ging es ruhiger und strukturierter zu. Anschließend ging die Gruppe meist nach draußen in den Garten. Dort entzerrte es sich oft und im Garten gab es ruhigere Ecken. Wenn es aber dennoch zu viel war, so durfte mein zartfühlendes Kind in dem Gruppenraum spielen. Manchmal gesellte sich ein anderes Kind dazu. Und doch, trotz aller Bemühungen und gutem Willen, funktionierte es für mein Kind nicht. Es weinte, wenn ich es in den Kindergarten bringen wollte. Es wehrte sich mit Händen und Füßen und ich musste einsehen, dass es keinen Zweck hatte. So meldete ich mein Kind wieder ab. Es war einfach zu früh gewesen. Gerade drei Jahre alt geworden, überforderte die Kindergartensituation mein Kind. Im nächsten Jahr versuchten wir es in einem anderen Kindergarten. Dort ging es besser. Ob es daran lag, dass mein Kind nun ein Jahr älter war, oder ob das andere Konzept eher seinen Bedürfnissen entsprach, kann ich nicht sagen. Aber gerne ging mein Kind nie in den Kindergarten. Vielleicht wäre es besser gewesen, nur für das Vorschuljahr in den Kindergarten zu gehen.


Das sind meine Erfahrungen. Doch jedes Kind ist anders. Vertrauen Sie Ihrem Gefühl und Ihrem Kind. Es wird Ihnen zeigen und sagen, was zu viel ist und was es gerade braucht.


Dann kam die Schule. Dort ging es ähnlich zu. Viele Kinder, bunte Klassenräume, Lautstärke, grelles Neonlicht, Gefühle und Stimmungen usw. In der dritten Klasse fing mein Kind an, sich so zu langweilen, dass es immer öfter Bauchschmerzen bekam und abgeholt werden musste. Wieder führte ich Elterngespräche und versuchte zu erklären, was Hochsensibilität ist. In der weiterführenden Schule wurde es dann heftiger. Mein Kind müsse soziale Kontakte knüpfen, sonst würde es bald zum Außenseiter. Ich druckte Artikel aus und verwies auf Links im Internet und erklärte wieder und wieder, was es bedeutet, hochsensibel zu sein. Tatsächlich traf ich auch auf Lehrer, die wirkliches Interesse zeigten und selber im Internet gesucht und nachgelesen haben. Zum Glück war und ist mein Kind selbstbewusst genug, zu sich zu stehen. Ich habe es immer unterstützt und ihm gezeigt, dass es gut ist, so wie es ist, und ich es von ganzen Herzen liebe und für es einstehe. Selbst im Winter trägt es keine Socken und dreiviertellange Hosen. Wenn Lehrer etwas sagen, ist die Antwort: "Ich habe halt Eisbeine." Irgendwann hörten die Lehrer auf, etwas zu sagen, und akzeptieren es nun.


Es kostet Energie und vor allem Ausdauer, immer und immer wieder zu erklären bzw. aufzuklären, was Hochsensibilität ist. Aber nur so kann das Verständnis in der Öffentlichkeit geweckt werden. Immerhin sind 15 - 20 % der Meschen zartfühlend. Nicht gerade wenig, nämlich jeder Sechste. Es wird Zeit, dass wir informieren.


Das Beste, was Eltern tun können ist, dass sie ihre Kinder annehmen mit allen Facetten und zu ihnen stehen. Bitte pressen Sie Ihr Kind nicht in eine Schablone, nur weil unsere Gesellschaft das erwartet. Damit brechen Sie Ihr Kind und schaden ihm. Verstehen Sie seine Bedürfnisse nach Rückzug und Ruhe und ermöglichen Sie ihm solche Räume der Erholung. Unsere Kinder müssen nicht auf allen Hochzeiten tanzen, es sei denn, sie wollen es. Unsere Kinder dürfen uns ihre Grenzen aufzeigen und wir sollten sie dabei unterstützen, diese Grenzen auch setzen zu dürfen. Es ist so wichtig, dass unsere Kinder ihre Bedürfnisse fühlen und leben dürfen. Natürlich müssen wir auch Grenzen setzen. Wichtig ist es auch, unseren Kindern zu erklären, dass ein gewisser Grad an Anpassung nun mal sein muss. Aber jeder von uns darf sagen, wenn es zu viel ist, wann etwas uns schadet, und wichtig ist es immer, gemeinsam Wege und Lösungen zu suchen. Dazu gehört auch, mal Kompromisse einzugehen und immer wieder aufs Neue auszuloten, ob der eingeschlagene Weg oder die Lösung das Richtige ist oder ob es uns verbiegt und dazu führt, dass wir Masken tragen und uns verstellen. Denn passen wir und unsere Kinder sich zu sehr an, dann verlieren wir uns eines Tages und müssen uns erst wiederfinden und zu uns selbst finden. Es ist keine leichte Aufgabe, hier die richtige Balance zu finden. Aber immer sollten Sie Ihr Kind mit einbeziehen, denn nur es weiß, was es braucht, was ihm guttut und inwieweit es sich anpassen kann, ohne sich dabei schlecht zu fühlen.


Wenn unser Kind nur einen Freund hat und ist glücklich damit, dann ist das genau richtig, auch wenn Pädagogen uns erklären, dass das nicht "normal" ist. Nicht jeder braucht den Fußballverein mit einer Horde wilder Jungs. Nicht jedes Mädchen möchte zu lauter Musik mit einem Rudel Kinder Ballett tanzen.


Auch ich habe mit meiner Freundin in meinem Zimmer gesungen und wir haben getanzt, uns Choreographien ausgedacht. Ich spielte lieber mit meinem Papa Fußball im Garten als in der Gruppe.


Wichtig ist, dass Sie als Eltern individuell schauen, was Ihr Kind braucht und möchte. Es geht nicht um die Richtlinien, die andere aufstellen. Es geht um Sie, Ihre Familie und Ihr Kind. Was braucht es, um zu gedeihen und sich wohlzufühlen? Was braucht Ihr Kind, um glücklich zu sein? Darum geht es. Dass Ihr Kind so früh wie möglich erlebt, "Ich bin gut so, wie ich bin. Mama und Papa haben mich lieb." Nur so kann Ihr Kind das nötige Selbstbewusstsein und -vertrauen entwickeln, dass es braucht, um aufrecht durch die Welt zu gehen.


Jedem, der das nicht versteht, müssen wir das erklären. Immer und immer wieder!


Klären wir alle zusammen auf über das Phänomen Hochsensibilität. Je mehr es tun, umso besser. Und vor allem: Stehen wir dazu, was wir und unsere Kinder sind. Zartfühlend! Wir haben ein Recht darauf, das zu leben, was wir sind. Und zwar so, dass es uns möglichst gut dabei geht. Es ist so wichtig, dass unsere zartfühlenden Kinder von Anfang an lernen, dass sie dazu stehen dürfen, was sie fühlen und wahrnehmen. Es ist so wichtig, dass sie sich zeigen dürfen, wie sie sind. Es ist o.k., nicht wie alle anderen zu sein.


Was heißt das schon, wie alle zu sein?

Es sind ja nicht alle "normal". Viel mehr Menschen, als wir glauben, sind nicht "normal". Sie haben nur gelernt, es zu verstecken und sich der Norm anzupassen, und darum können wir sie nicht sehen und finden. Erst wenn jeder einzelne dazu steht, wer und was er ist, wie er fühlt und was er zu sagen hat, erst dann werden die "besonderen Menschen" sichtbar. Erst dann werden wir bemerkt und erst dann kann die Gesellschaft langsam lernen, uns zu sehen, zu akzeptieren und mit viel Glück auch uns zu verstehen.


Darum seien Sie mutig und zeigen Sie sich, mit all ihren Facetten. Sie tun es für Ihr Kind und die zukünftigen Generationen.




Haben Sie Fragen oder möchten mir Ihre Erfahrungen mitteilen, so können Sie mir gerne schreiben.


n.clemens@zartfuehlend.de


Ihre N. Clemens